Polyphenole als Anti-Aging-Helfer und Antioxidantien

Pflanzen verwenden sie als Abwehr von Fressfeinden, Stress und UV-Licht: Sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole. In der Medizin stehen sie bereits seit einigen Jahren im Zentrum der Forschung auf der Suche nach neuen Heilsubstanzen. Denn die bioaktiven Stoffe besitzen viele gesundheitsfördernde Effekte. Auch wenn es sich hierbei nur um sekundäre Pflanzenstoffe handelt, zeigen viele interessante Studien, dass sie dennoch eine wichtige Rolle im menschlichen Körper spielen. So wirken sie unter anderem entzündungshemmend und krebsvorbeugend.

 

Warum sind Polyphenole für den Körper so wichtig?


Polyphenole sind eine Gruppe biochemischer Verbindungen, die vor allem in Pflanzen vorkommen. Zu ihnen gehören nicht nur Farbstoffe wie zum Beispiel die Anthocyane etwa in schwarzblauen Brombeeren, sondern auch Flavonoide und natürliche Aromen wie Vanillin sowie Gerbstoffe oder Tannine, die zum Beispiel reines Kakaopulver bitter schmecken lassen. Viele Polyphenole sind zudem starke Antioxidantien: Sie machen freie Radikale unschädlich und schützen die Zellen so vor dem vorzeitigen Altern. All diese Eigenschaften kann sich auch der Mensch über die Ernährung zunutze machen. Auf diese Weise werden sekundäre Pflanzenstoffe zu wichtigen Helfern bei zahlreichen Erkrankungen, etwa:

  • vorzeitige Alterungserscheinungen
  • Entzündungsprozesse
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselstörungen
  • neurodegenerative Prozesse
  • Immunsystem-Schwäche


Für kombinierte Nahrungsergänzungsmittel werden die wertvollen Polyphenole aus den Pflanzen extrahiert und mit Vitaminen und Aminosäuren kombiniert. Hier dient die natürliche Ernährung als Vorbild. Denn eine möglichst vielseitige Zufuhr von Vitalstoffen hilft dem Körper, sie besser zu verwerten.

 

Die Forschung ist noch nicht vorbei


Polyphenole galten bis zu Beginn der 1990er Jahre  für die Gesundheit als unbedeutend. Dieses Verständnis hat sich seitdem radikal geändert – heute weiß man um die zahllosen positiven Effekte dieser bioaktiven Substanzen auf den menschlichen Organismus. Etwa 80.000 sekundäre Pflanzenstoffe hat die Forschung identifiziert. Das waren sicher noch längst nicht alle. Laufend werden neue Substanzen wie etwa Xanthohumol (aus dem Hopfen) und Pterostilben (aus der Heidelbeere) mit vielversprechender Wirkung etwa zur Vorbeugung von Krebs, Alzheimer, Arteriosklerose und Diabetes entdeckt und erforscht.

 

Die Menge macht's!


Pflanzen produzieren die wichtigen sekundären Pflanzenstoffe im Inneren von Stängeln, Blüten und Blättern. Viele bilden in einigen Teilen, beispielsweise der Fruchtschale oder der Rinde, besonders hohe Konzentrationen von Polyphenolen aus. Bei Äpfeln zum Beispiel sitzen die kostbaren Stoffe in und direkt unter der Schale. Also einfach "An apple a day keeps the doctor away"? So einfach ist das leider nicht: Um wirksame Konzentrationen bestimmter Pflanzenstoffe aufzunehmen, müsste man sehr großer Mengen einer Frucht oder einer Pflanze zu sich nehmen. Zudem ist der Gehalt an Polyphenolen etwa in Supermarkt-Ware nicht immer gleich, sondern abhängig von Anbaubedingungen, Erntezeitpunkt, Transport und Lagerung. Bis so ein Apfel also vom Baum in die eigene Küche gelangt, kann er bereits einen beachtlichen Teil seiner Wirkstoffe eingebüßt haben. Die Versorgung mit Polyphenolen muss allerdings regelmäßig und in ausreichender Konzentration erfolgen, damit die kleinen Helfer aus der Pflanze überhaupt in den eigenen Körperzellen wirken können.

 

 

Antioxidantien-König Quercetin 

Ein wichtiges Polyphenol ist Quercetin, ein Pflanzenfarbstoff, der in Äpfeln, vor allem aber in den äußeren Schalen von Zwiebeln, für eine gelbliche Tönung sorgt. Quercetin ist Gegenstand intensiver Forschung, denn es gilt als eines der wirksamsten Antioxidantien. Als solches schützt es die Körperzellen vor oxidativem Stress und kann damit dem Alterungsprozess entgegenwirken. Seine antioxidativen Eigenschaften wirken aber besonders positiv auf die Blutgefäße, wo es Arterienverkalkung und Blutgerinnseln vorbeugt und so das Risiko für Thrombosen, Schlaganfälle und Herzinfarkte senken kann. Auch im Kampf gegen Entzündungen ist Quercetin hilfreich, vor allem im Bereich des Darms und der Gelenke, so dass rheumatoide Arthritis und Arthrose wirksam bekämpft werden können. Seine antientzündlichen und zellschützenden Eigenschaften rücken zudem Quercetin zunehmend in den Fokus der Krebsforschung. Da es das Erbgut in den Zellen vor Freien Radikalen schützt, kann die Einnahme dieses Polyphenol besonders in Lunge und Darm den Ausbruch von Krebs vorbeugen. Aber auch bei bereits vorhandenen Tumoren zeigt Quercetin in Untersuchungen positive Wirkungen, indem es Tumorzellen am weiteren Wachstum hindert und so eine Ausbreitung verhindern kann.

 

Beerenstarker Stoffwechsel-Booster Pterostilben


Beeren sind eine ideale Polyphenol-Quelle, da sie eine Fülle an natürlichen Farbstoffen enthalten. Allen voran die Heidelbeere mit ihrem wertvollen Farbstoff “Anthocyane”. Sie hat sich vor allem als Stoffwechsel-Booster einen Namen gemacht hat, da sie besonders viel Pterostilben enthält. Als klassisches Antioxidans wirkt Pterostilben entzündungshemmend und neutralisiert Freie Radikale. Es kann also dem Alterungsprozess und den Auswirkungen von UV-Strahlung auf die Haut entgegenwirken. Darüber hinaus werden ihm auch besonders positive Auswirkungen auf Cholesterinwerte und den Blutzuckerspiegel nachgesagt – womit es für gesunde Blutgefäße, einen gesunden Stoffwechsel und ein vermindertes Diabetes-Risiko sorgen kann. Pterostilben soll darüber hinaus bestimmte Gene aktivieren, welche die Zellerneuerung auslösen; ein Vorgang, der sonst nur durch strenges Fasten und Kalorienreduktion in Gang kommt. Das wirkt sich auch auf das Gehirn aus, wo dieses Polyphenol Gedächtnisschwäche entgegenwirken kann. Wenn es also einen sekundären Pflanzenstoff gibt, den man als lebensverlängernd bezeichnen könnte, dann ist es wohl Pterostilben.

 

Hopfenkraft durch Xanthohumol


Während sich vor einiger Zeit noch nur Rotweintrinker auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Tanninen im edlen Rebensaft berufen konnten, kommen jetzt auch Bier-Genießer auf ihre Kosten. Das Polyphenol Xanthohumol aus Hopfen gilt neuerdings als wirksam gegen Krebs und für den Schutz von Nervenzellen. In Tests hemmt es nicht nur die Neuentstehung von Krebszellen, sondern auch das weitere Wachstum bereits vorhandener Tumore. Auch das Entstehen neurodegenerativer Störungen kann Xanthohumol in Tests wirksam verhindern, indem es die Nervenzellen im Gehirn effektiv vor Freien Radikalen und oxidativem Stress schützt. Auch positive Effekte auf den Fettstoffwechsel und Entzündungsprozesse in der Leber konnten in Untersuchungen festgestellt werden. Leider ist die Konzentration von Xanthohumol in Bier eher gering. Wer also mit diesem sekundären Pflanzenstoff wirksam vorbeugen möchte, sollte statt zum Maßkrug eher zu genau angepassten Extrakten aus der Hopfendolde greifen.